
Der Fichte-Bunker blickt auf eine 140-jährige Geschichte zurück. Heute ist das runde Gebäude ein Wahrzeichen von Kreuzberg
Schnellinfo
Der Fichte-Bunker war einer von vier Gasometern an der Fichtestraße, die die Straßenlaternen der Stadt mit Gas versorgten. Im 19. Jahrhundert wuchsen Berlins Industrie und Bevölkerung, und das Stadtleben sollte nach Feierabend modern und lebhaft sein.
Die ersten Gasometer wurden bereits 1826 gebaut, doch der steigende Bedarf der wachsenden Stadt erforderte den Bau weiterer Gasometer.
Die Gasometeranlage in der Fichtestraße wurde 1883 erbaut und war bis 1936 in Betrieb. Die vier Gasometer hatten ein Gesamtfassungsvermögen von 143.000 Kubikmetern Gas für die Straßenbeleuchtung im Bezirk.

Der Gasometer, der am nächsten an der Straße liegt, ist heute der Fichte-Bunker.
Als Bunker wiederverwendet
Die zunehmende Elektrifizierung der Gesellschaft machte die Berliner Gasometer jedoch überflüssig, was 1936 zur Schließung der Gasometeranlage an der Fichtestraße führte.
Das war nur vier Jahre vor den ersten Luftangriffen auf Berlin, mit denen Hitler und sein NS-Regime nicht gerechnet hatten.
Im Herbst 1940 leitete Hitler das Führer-sofort-Programm ein, das den Bau von Bunkern vorsah. Der Gasometer an der Fichtestraße, der am nächsten an der Straße lag, wurde mit Stahlbetonwänden versehen und in einen Bunker umgebaut.

Foto: Chrissie Sternschnuppe@Flickr. CC BY-SA.
Von 1942 bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs diente der Gasometer als Mutter und Kind-Bunker (MuK). Mütter, die in Rüstungsfabriken arbeiteten, konnten um 18 Uhr mit ihren Kindern kommen und erhielten einen Schlüssel für einen Raum mit Etagenbetten, um dort sicher übernachten zu können.
Flüchtlingszentrum und Obdachlosenheim
Nach dem Krieg diente der Bunker als Flüchtlingsunterkunft für die vielen Deutschen, die aus ehemaligen deutschen Territorien und besetzten Gebieten vertrieben worden waren. Täglich wurden Tausende von Flüchtlingen für einen Tag im Bunker untergebracht, bevor sie in andere Teile Deutschlands weitergeschickt wurden.
Nach dem Krieg, in den 1950er Jahren, kehrte in Berlin allmählich wieder Normalität ein, und der Bunker wurde zu einer Obdachlosenunterkunft umfunktioniert. Doch die Anwohner hatten genug von den Obdachlosen, nachdem eine Frau im nahegelegenen Hasenheide-Park von einem von ihnen getötet worden war.
Danach wurden Konserven und Toilettenpapier in den Bunker gebracht.
West-Berlin hatte 1948 und 1949 Stalins Blockade erlebt, als die Versorgung des westlichen Teils der Stadt unterbunden wurde. Und seitdem hatte sich der Kalte Krieg noch weiter verschärft.
Der Senat in West-Berlin hatte an verschiedenen Orten in der Stadt Vorräte an Lebensmitteln und anderen lebensnotwendigen Gütern angelegt, für den Fall, dass es zu einer neuen Blockade kommen sollte. Der Fichte-Bunker gehörte bis zum Ende des Kalten Krieges im Jahr 1991 zu diesen sogenannten Senatsreserven.
Gentrifizierung des Fichte-Bunkers
Danach dauerte es lange, bis der Fichte-Bunker wieder zum Leben erweckt wurde. Im Jahr 2007 erwarb ein Architekturbüro den Bunker und errichtete dort Dachgeschosswohnungen sowie einen begrünten Dachgarten.
Berliner Unterwelten hat die beiden unteren Stockwerke übernommen und den Bunker restauriert. Jetzt kann man den Fichte-Bunker besichtigen und mehr über seine Geschichte erfahren.

Standort:
Fichtestraße 6
10967 Berlin
Familienfreundlich: Ja, aber nicht bei Führungen im Inneren
Preis: Es gilt der Eintrittspreis
